Patientenratgeber

 

Hier stellen wir leicht verständliche Informationen zu den häufigsten orthopädischen Beschwerden bereit. Sie dienen jedoch ausschließlich der Information und können eine ärztliche Konsultation keinesfalls ersetzen.

Die Wirbelsäule

Allgemeines

Die Wirbelsäule (WS) besteht aus 7 Hals-,12 Brust,- und 5 Lendenwirbeln. Sie dient vor allem als Stütze für den aufrechten Gang.
Ihre Schwachpunkte liegen, an den jeweiligen Übergangsregionen (Hals-Brust, Brust-Lende, Lende- Kreuzbein) und Einzelverbindungen (Bandscheiben).
Die Wirbelkörper formen ein Kanal, in dem, durch Knochen gut geschützt, das Rückenmark verläuft.
Dem Menschen stehen zur Stabilisierung neben der kräftigen Rückenmuskulatur entlang der gesamten WS auch noch Bänder (von Wirbelkörper zu Wirbelkörper, teilweise auch mit dem Becken verbunden) zur Verfügung.
Als elastische Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbelkörpern fungieren die Bandscheiben, prall elastische, mit gelartiger Flüssigkeit gefüllte Pölster.

Halswirbelsäule

besteht aus sieben Halswirbeln. Direkt unter dem Schädel liegt der erste Halswirbel, der Atlas. Dieser ist nach Atlas aus der griechischen Mythologie benannt. Der Atlas trägt den Schädel und umfasst dabei den Zahn des zweiten Halswirbels, des Drehers (lat. Axis).
Die weiteren Halswirbel haben die übliche Form eines Wirbels mit Wirbelkörper, dem das Rückenmark umfassenden Wirbelbogen und den Wirbelgelenken. Genauso wie die restliche Wirbelsäule befinden sich zwischen den Halswirbeln Zwischenwirbelscheiben (Bandscheiben).
Die Halswirbelsäule wird durch die Hals- und Rückenmuskulatur sowie durch mehrere Bänder gestützt.

Brustwirbelsäule

Als Brustwirbelsäule (BWS) wird der Abschnitt der Wirbelsäule zwischen Hals- und Lendenwirbelsäule bezeichnet. Sie besteht beim Menschen aus 12 Wirbeln, bezeichnet mit Th1 bis Th12 (Th steht für lat. Pars thoracica, „Brustteil“, von Thorax „Brustkorb“).
Beim gesunden Menschen weist sie einen Bogen nach hinten auf, was als physiologische Kyphose bezeichnet wird.

Drei häufige Krankheiten, die sich oft an der Brustwirbelsäule zeigen:

Der Morbus Scheuermann ist eine vorwiegend bei männlichen Jugendlichen vorkommende Erkrankung der Wirbelsäule, die durch Wachstumsstörungen der Wirbelkörper und die Bildung von Keilwirbeln bedingt ist.
Typisch ist die Ausbildung eines Rundrückens im Bereich der Brustwirbelsäule. Die Wachstumsstörungen der Wirbelkörper haben vielfältige Ursachen, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken können. Man unterscheidet dabei zwischen endogenen Faktoren, wie etwa genetischen Faktoren oder hormonellen Veränderungen und exogenen Faktoren, wie beispielsweise Fehlbelastungen der Wirbelsäule.
Beschwerden, insbesondere Schmerzen, treten meist erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium auf. Der Verdacht auf das Vorliegen eines Morbus Scheuermann entsteht hauptsächlich aufgrund der Ausbildung eines Rundrückens. Die Diagnose wird anhand einer ärztlichen Untersuchung sowie einer Röntgenaufnahme der Wirbelsäule gestellt. Die Therapie reicht von krankengymnastischen Übungen über die Anwendung von Stützkorsetts bis hin zu Operationen, die allerdings eher die Ausnahme bilden. Die Prognose des Morbus Scheuermann ist insgesamt gut.

Der Morbus Bechterew ist eine chronische, entzündlich-rheumatische Erkrankung, die hauptsächlich die Wirbelsäule betrifft. Sie beginnt meist im jungen Erwachsenenalter und tritt häufiger bei Männern auf.
Das charakteristische Symptom des Morbus Bechterew ist der tief sitzende, chronisch-entzündliche Rückenschmerz mit Morgensteifigkeit. In der Folge versteift sich die gesamte Wirbelsäule zunehmend. Eine vollständig versteifte Wirbelsäule, die so genannte Bambusstabwirbelsäule, ist eher selten. Gleichzeitig kommt es zu entzündlichen Veränderungen in den großen Gelenken, Sehnen, Augen und im Herzmuskel. In der Regel geht die Entzündung nach einer gewissen Zeit zurück und der Krankheitsprozess schreitet nicht weiter fort.
Die Diagnose erfolgt durch Röntgen und Magnetresonanztomographie. Behandelt wird der Morbus Bechterew mit Krankengymnastik und entzündungshemmenden Medikamenten (nichtsteroidale Antirheumatika, Glukukortikoide, Immunsuppressiva). Ist auch das Hüftgelenk von der Erkrankung betroffen, kann in manchen Fällen ein operativer Gelenksersatz notwendig sein.

Die Skoliose ist eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, also eine Abweichung von der idealen Mittellinie. Nicht verwechselt werden darf diese krankhafte Verkrümmung mit den normalen Kurven der Wirbelsäule, die man bei seitlicher Betrachtung erkennen kann.
Die Skoliose entwickelt sich im Wachstumsalter zwischen sieben und 16 Jahren. Im Anfangsstadium ist sie nur schwer zu erkennen, und so wird sie vielfach erst diagnostiziert, wenn es für eine wirksame Therapie zu spät ist. Betroffen sind etwa 4% der Mädchen und 3% der Knaben.
Von den zahlreichen Arten der Skoliose können die funktionelle und die frühe idiopathische Skoliose erfolgreich behandelt werden. Bei der funktionellen Skoliose ist ein Ausgleich der krankhaften Wirbelsäulenverkrümmung bei bestimmten Wirbelsäulenbewegungen zu beobachten; die idiopathische Skoliose hingegen hat diese Eigenschaft nicht: der Patient leidet unter einer konstant verkrümmten Wirbelsäule.

Lendenwirbelsäule

Als Lendenwirbelsäule (LWS) wird der untere Abschnitt der Wirbelsäule bezeichnet. Sie besteht aus 5 Wirbeln, die als Lendenwirbel bezeichnet werden.
Beim Menschen wird die Lendenwirbelsäule durch den aufrechten Gang hoch belastet, sie stellt die Basis des Rumpfes dar. Durch diese Belastungen kommt es häufig zu schmerzhaften Reizzuständen, der Oberbegriff „Kreuzschmerz“ mag dazu dienen, vom banalen Schmerzsyndrom bis zum Bandscheibenschaden mit neurologischen Ausfällen eine große Palette von Krankheitsbildern zusammenzufassen.

Erkrankungen der Lendenwirbelsäule:

Der Bandscheibenvorfall ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der Teile der Bandscheibe in den Wirbelkanal – den Raum, in dem das Rückenmark liegt – vortreten. Im Gegensatz zur Bandscheibenprotrusion (Vorwölbung) wird beim Prolaps der Faserknorpelring der Bandscheibe (Anulus fibrosus) ganz oder teilweise durchgerissen, während das hintere Längsband intakt bleiben kann (so genannter subligamentärer Bandscheibenvorfall).
Die Ursache ist oft eine Überlastung bei Vorschädigung der Bandscheiben, ein Bandscheibenvorfall kann aber auch ohne äußeren Anlass auftreten. Symptome des Bandscheibenvorfalls sind starke, häufig in die Extremitäten ausstrahlende Schmerzen, oft mit einem Taubheitsgefühl im Versorgungsgebiet der eingeklemmten Nervenwurzel, gelegentlich auch Lähmungserscheinungen. Eine Behandlung ist in den meisten Fällen konservativ möglich, schwere Vorfälle müssen operativ behandelt werden.

Die Bandscheibenprotrusion (syn. Bandscheibenvorwölbung oder „inkompletter Bandscheibenprolaps“) ist eine degenerative Veränderung der Bandscheiben.
Hierbei wird der Anulus fibrosus (Faserring) der Bandscheibe im Gegensatz zum (kompletten) Bandscheibenprolaps nicht durchgerissen, sondern nur nach außen vorgewölbt.
Eine Protrusion löst meist nur Symptome im Bereich der Wirbelsäule aus (Lumbago), seltener ein komplettes Bandscheibensyndrom.
Die Therapie ist in der Regel konservativ (das heißt nicht-operativ), gelegentlich ist aber auch eine operative Therapie notwendig.

Bandscheibenoperation: Eine operative Behandlung des Bandscheibenvorfalls ist angezeigt, wenn äußerst starke Schmerzen mit der konservativen Therapie nicht ausreichend vermindert werden können.
Bei nicht ganz so stark ausgeprägter Schmerzsymptomatik empfiehlt sich eine Operation, wenn innerhalb einiger Wochen mit nichtoperativen Maßnahmen keine Besserung erzielt werden kann. Bei Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl und vor allem bei Ausfällen der Funktion von Harnblase, Mastdarm oder der Geschlechtsorgane kann ebenfalls eine Operation angezeigt sein.
Durch die Operation sollen die Anteile der Bandscheibe oder auch des Knochens oder der Bänder, die auf die Nerven mechanisch einwirken, herausgeholt werden.
Die offene Bandscheibenoperation erfolgt in Vollnarkose. Der Patient liegt dabei auf dem Bauch.

Bei einem Hexenschuss treten plötzlich starke Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Diese können verschiedene Ursachen haben.
Der medizinische Ausdruck für einen Hexenschuss ist Lumbago. Teilweise werden auch die Bezeichnungen Cotunnius-Syndrom oder lumbales Nervenreizsyndrom verwenden. Typischerweise tritt ein Hexenschuss akut auf, er kann jedoch auch chronisch werden.
Symptome eines Hexenschuss sind plötzlich auftretende, messerstichartige Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Diese strahlen zunächst nicht ins Bein aus. Später sind Ausstrahlungen in Gesäß, Leiste oder Oberschenkel möglich.
Die Muskeln des unteren Rückens sind schmerzhaft verspannt bzw. verkrampft.
Kleinste Bewegungen (z. B. Treppensteigen) sind sehr schmerzhaft und mühsam, was häufig zu einem Hartspann der regionalen Wirbelsäule und zu einer Bewegungssperre führt.
Diese resultiert meist in einer seitlich gekrümmten Schonhaltung/Zwangshaltung.
Ein Hexenschuss kann sich zur Lumbalgie oder zur Lumboischialgie entwickeln.

Ischias nennt man einen plötzlichen, heftigen Schmerz in der Lendengegend, der über die Pobacken bis in die Beine ausstrahlt. Der Schmerz lässt kaum noch Bewegungen, wie Bücken oder Drehen zu, schlimmstenfalls können Lähmungserscheinungen im Bein auftreten.
Der Ischiasnerv ist der längste und dickste Nerv des Körpers und verläuft durch den Wirbelkanal am hinteren Bein entlang, bis in die Füße. Die Kurzform für diese Schmerzform in der Lenden-, Hüftregion bis in die Beine hinein nennt man „Ischias“.
Neben anderen Ursachen ist der Auslöser für einen Ischiasschmerz in den meisten Fällen ein Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung, bei dem die Bandscheibe vorfällt und auf den Ischiasnerv drückt. Auch Muskelverspannungen können Schmerzen auslösen, indem der Ischiasnerv gereizt wird. Der dadurch verursachte Schmerz kann so stark sein, dass man bewegungsunfähig ist. Durch den Schmerz verspannt sich oft die Rückenmuskulatur und es können zusätzlich Muskelschmerzen auftreten.
Bei akuten Schmerzen hilft Ruhe und Entspannung, der Betroffene sollte sich flach auf den Boden legen und die Beine anwinkeln. Wärme und heiße Bäder sind wohltuend und entspannen die Rückenmuskulatur. Eine gute Rumpfmuskulatur sowie Dehn- und Kräftigungsübungen für den Rücken helfen vorbeugend ebenso, wie eine saubere Technik bei Heben von Gewichten und das Vermeiden von Übergewicht.

Steissbein

Das Steißbein des Menschen ist die untere Spitze des Kreuzbeines, das wiederum unterhalb der Wirbelsäule liegt. Es dient verschiedenen Bändern und Muskeln des Beckens, insbesondere des Beckenbodens und der Hüftgelenke, als Ansatzpunkt. Das Steißbein besteht aus 4 bis 5 Steißwirbeln, die zu einem einheitlichen Knochen verschmolzen sind. Das Steißbein wird als Rest des Schwanzes der Wirbeltiere angesehen, der sich im Laufe der menschlichen Entwicklung über Jahrmillionen zurückgebildet hat.
Bei einem Sturz auf das Gesäß kann das Steißbein brechen (Steißbeinbruch) oder sich verlagern (Steißbeinluxation), was sehr schmerzhaft ist. Der Betroffene kann wegen der Schmerzen dann kaum mehr sitzen. Nur wenn er lediglich eine Beckenhälfte aufsetzt, ist das Sitzen erträglich.
Die Behandlung durch einen Arzt erfolgt durch rektales Einführen des Zeigefingers. Der Therapeut greift das Steißbein mit Zeigefinger und Daumen und zieht es vom Kreuzbein dorsal weg. Bei Erfolg dieser Behandlung stellt sich eine sofortige Linderung ein.
Oft bestehen auch heftige Schmerzen links und rechts des Kreuzbeines. Betroffen ist dann das Iliosakralgelenk.

Osteoporose

Osteoporose / Knochenschwund bezeichnet eine chronische Erkrankung, die als die am meisten unterschätzte und vernachlässigte Gesundheitsstörung unserer Zeit gilt.
Frauen sind deutlich häufiger (80%) von Osteoporose betroffen als Männer.
Unter Osteoporose wird eine Skeletterkrankung verstanden, bei der das Gleichgewicht der Knochenregeneration gestört ist. Normalerweise wird altes Knochengewebe ständig abgebaut und neues gebildet.
Vitamin-D3 sorgt für die Einlagerung von Calcium und ist somit für die Stabilität der Knochen mitverantwortlich. Nicht nur bei der Osteoporose Vorbeugung, auch bei der Behandlung der Osteoporose spielt die Gabe von Vitamin-D3 eine große Rolle. Speziell im Winter - durch die fehlende Sonne - findet im Körper nur eine eingeschränkte Vitamin-D Produktion statt.