Patientenratgeber

 

Hier stellen wir leicht verständliche Informationen zu den häufigsten orthopädischen Beschwerden bereit. Sie dienen jedoch ausschließlich der Information und können eine ärztliche Konsultation keinesfalls ersetzen.

Die Schulter

Allgemeines

Die Schulter setzt sich zusammen aus Schulterblatt (Scapula), Schlüsselbein (Clavicula), Schulterhauptgelenk, Nebengelenken sowie Muskeln, Bändern und Sehnen.
Im Gegensatz zu anderen Gelenken (z.B. Hüftgelenk) wird die Schulter vorwiegend durch die Muskulatur stabilisiert. Damit ist sie einerseits beweglicher als Gelenke, die durch Bänder stabilisiert werden, andererseits auch weniger stabil. Daher ist das Schultergelenk das beweglichste Gelenk des menschlichen Bewegungsapparats, jedoch kommt es im Schulterbereich häufig zu Verletzungen und Beschwerden wie Schulterschmerzen, Rissen in der Rotatorenmanschette oder einer ausgekugelten Schulter.

Schultereckgelenk

Das Schultereckgelenk (medizinisch: Akromioklavikulargelenk) ist die gelenkige Verbindung zwischen dem äußeren Ende des Schlüsselbeins (Clavicula) und dem oberen Ende des Schulterblattes (Scapula), der sogenannten Schulterhöhe (Akromion). Das Akromioklavikulargelenk (ACG) gehört zu den echten Gelenken (Diarthrosen), das heißt, es besitzt einen Gelenkspalt, Gelenkknorpel und als stabilisierende Hülle eine bindegewebige Gelenkkapsel.
Die häufigste Verletzung des Schultereckgelenkes ist die Schultereckgelenksverrenkung oder Sprengung. Meist kommt es durch einen Sturz auf die Schulter zum Überdehnen bzw. Zerreißen einzelner oder mehrerer Bänder, was zur Instabilität des Gelenks führen kann.
Als Therapie wird in der Mehrzahl der Fälle die kurzzeitige Ruhigstellung im Gilchrist-Verband empfohlen.
Eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung kann aber auch Hinweis auf eine Arthrose, seltener aber auch auf eine Zyste in Gelenknähe sein. Die Therapie der Schultereckgelenkesarthrose besteht meist in Krankengymnastik und physikalischen Anwendungen wie Kälte und Elektrotherapie.

Schleimbeutelentzündung

Eine Schleimbeutelentzündung an der Schulter ist eine sehr schmerzhafte Angelegenheit, die in jedem Lebensalter auftreten kann.
Die Aufgabe von Schleimbeuteln ist es, Gleitbewegungen von Muskeln oder Sehnen an "Reibungspunkten" mit Knochenkanten oder Knochenvorsprüngen, die der Kraftübertragung dienen, abzumildern.
Entzündet sich der Schleimbeutel unter der Schulterhöhe, dann verursacht jede noch so kleine Bewegung stärkste Schmerzen und der Arm wird möglichst geschont. Innerhalb einer Woche nehmen die Schmerzen allmählich ab und die Beweglichkeit verbessert sich wieder.
Eine andere Ursache für eine akute Entzündung ist ein Kalkeinbruch in den Schleimbeutel. Durch Verschleißerscheinungen haben sich in der Sehne des Obergrätenmuskels Kalkeinlagerungen gebildet (Kalkschulter), die plötzlich aufbrechen können und in das Innere des Schleimbeutels gelangen, wo sie eine Entzündung auslösen. Ein seit Jahren schleichender Verschleiß kommt plötzlich zum Ausbruch.
Oberstes Ziel ist es, die betroffene Schulter im akuten Zustand möglichst rasch schmerzfrei zu bekommen. Der Schleimbeutel kann punktiert und gleichzeitig ein entzündungshemmendes Medikament eingespritzt werden, auch mit einem Betäubungsmittel, um die Schmerzen zu lindern. Wird die Entzündung chronisch und verhärtet sich der Schleimbeutel, dann kann er mit einer Arthroskopie der Schulter entfernt werden.

Verkalkungen

Die Tendinosis calcarea (Kalkschulter) gehört zu den sogenannten periartikulären Schultererkrankungen, d. h. die anatomischen Strukturen betreffend, die das Schultergelenk umgeben. Das sind Sehnen, Gelenkkapsel, Schleimbeutel und Muskeln.
Die Patienten leiden teilweise unter stärksten Schmerzen im Schulter-, Arm-, oder Nackenbereich.
Je nachdem, ob das Kalkdepot in den Schleimbeutel einbricht oder nicht, kann sich die Erkrankung entweder jahrelang ohne Beschwerden oder aber auch mit höllischen Schmerzen zeigen. Das Kalkdepot kann vom Körper aufgenommen werden.
Im akuten Stadium sollte der Arm ruhiggestellt und schmerzlindernde Mittel eingenommen werden. Zusätzlich wird mit Krankengymnastik versucht, die Beweglichkeit zu verbessern. Reizstrom und Eisbehandlung verbessern die Durchblutung und lindern die Schmerzen.
Wenn die Beschwerden nicht besser werden, kann durch die extrakorporelle Stoßwellentherapie der Kalk in kleine Teile zertrümmert werden. Eine andere Möglichkeit ist die Zerkleinerung mit einer Nadel ("Needling") oder Entfernung des Kalkdepots mit einer Operation.

Rotatorenmanschetteneinriss

Durch Verschleiss oder durch ein Trauma können Risse in der Rotatorenmanschette entstehen. Bei älteren Menschen entstehen die Risse in der Regel durch langsam voranschreitende degenerative Veränderungen im Sehnengewebe.
Die Symptome der Rotatorenmanschettenruptur sind denen des Impingementsyndroms sehr ähnlich. Zu diesen Symptomen wird fast immer ein deutlicher Kraftverlust im betroffenen Arm angegeben.
Die Therapie bei den durch degenerative Veränderungen der bedingten Rissen ist zunächst konservativ wie bei der Behandlung des Impingementsyndroms. Es sollte eine vier- bis sechsmonatige konservative Behandlung durchgeführt werden. Diese besteht in der Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten, Eiskühlung und Krankengymnastik.
Bei der operativen Behandlung wird zunächst eine Schulterarthroskopie durchgeführt. Bei der Arthroskopie wird die Diagnose gesichert und es werden Begleiterkrankungen, falls vorhanden, diagnostiziert. Bei eindeutigem Nachweis des Risses wird die gerissene Sehne genäht oder in den Oberarmknochens eingepflanzt.

Schulterengesyndrom

Das Schulterengesyndrom (Impingementsyndrom) ist die häufigste Ursache für Schulterschmerzen.
Anfänglich klagen die betroffenen Patienten über eher leichtere Schmerzen im rumpfnahen Oberarm. Nicht selten ging eine ungewohnte Arbeit voran (z.B. längeres Überkopfarbeiten). Im weiteren Verlauf treten Schmerzen hauptsächlich beim Anheben des Armes auf. Häufig werden auch nächtliche Schmerzen geklagt, insbes. in Seitenlage auf der betroffenen Schulter.
Das Impingementsyndrom gehört zur Gruppe der Engpaßsyndrome (= Krankheitszeichen bei einer Einengung). Dabei haben die Sehnen der Muskeln, die das Schultergelenk bewegen, zu wenig Platz. Ihr Gleitraum ist durch Knochen vorsprünge und eine Vielzahl von Sehne n im Bereich unterhalb der Schulter höhe eingeschränkt. Aufgrund der Enge führen an sich wenig belastende Faktoren rasch dazu, daß die Sehnen aneinander oder an den Knochen reiben und sich entzünden, teilweise unter Einbezug des Schleimbeutels.
Die Therapie beinhaltet physikalische Therapie, medikamentöse Schmerztherapie, therapeutische Lokalanästhesie, manchmal auch eine Blockade des Plexus brachialis.

Schulterarthroskopie

Unter Arthroskopie versteht man eine Gelenks-spiegelung. Diese Technik bedeutet für den Patienten einen minimal invasiven Eingriff, geringen post-operativen Schmerz, kosmetisch kleine, unauffällige Narben und schnellere Wundheilung und somit schnelleren Wiedereinstieg ins Berufsleben.
Mittels einer Sonde mit aufgesetzter Kamera wird das Gelenksinnere auf einen Bildschirm übertragen. Der dazu notwendige Hautschnitt ist etwa so groß wie der Sondendurchmesser, also ca. 6-8 mm. Über weitere Zugänge, die etwa gleich groß wie der erste sind, kann man verschiedene Instrumente ins Gelenk vorschieben und damit eine Vielzahl von Operationen durchführen.
Die meisten chirurgischen Eingriffe an der Schulter können bereits arthros-kopisch durchgeführt werden. Man kommt hier mit drei kleinen Hautschnitten aus, ein langer Hautschnitt und großflächiges Ablösen eines Muskels ist nicht mehr notwendig. Dies bedeutet eine bessere und schnellere Wundheilung und somit auch ein geringeres Infektionsrisiko.